Das Arianna Projekt

Ein Musiktheater, das Monteverdis „Lamento d´Arianna“ (1608) in den Rahmen der Ariadnesequenz aus Catulls carmen 64 (1. Jhd v. Chr.), neu vertont, stellt.

 

 

Bacchus und Ariadne. Jean François de Troy (1717)

Bacchus und Ariadne. Jean François de Troy (1717)

Das Stück hat die Teile:

 

Pavane der Wellen

Rezitation

Gagliarde der Wellen

Teseos Reisegesang

Rezitation-Arioso

Corrente der Wellen-Teseos Kampfgesang

Lamento d´Arianna (Monteverdi)

Ankunft des Bakchus

Hochzeit des Bakchus und der Ariadne

Dithyrambus. Apotheose des Bakchus

Die Musik außer des „Lamento d´Arianna“ wird neu komponiert. Die musikalische Umsetzung des Stoffes entsteht auf der Grundlage des 31-tönigen Stimmsystem des Nicola Vicentino (1511-1576).
Wichtige akustische Verknüpfungsmomente mit der Szene sind der musikalische Wiederhall der Rauschen der Wellen auf der Insel Naxos, sowie enge motivisch-thematische Verknüpfung mit dem „Lamento d´Arianna“ Monteverdis.

Das Stimmsystem des Nicola Vicentino

Die Musik Claudio Monteverdis ist konzipiert für das sogenannte mitteltönige Stimmsystem. Man könnte sagen, dieses ist ein System, reich an Farben, das eine größeren Palette an Intervallen als das aktuelle Stimmsystem sie besitzt. Diese Intervallfarben erlauben den präzisen Ausdruck sogenannter Affekte. Dies ist einer der Gründe dafür, daß diese Stimmung benutzt wurde.
Wohl die meisten in Europa gebräuchlichen Stimmsysteme seit Pythagoras sind erdacht worden, weil das Übereinanderschichten reiner Intervalle mathematisch fast, aber nicht ganz aufgeht. Es entsteht ein sogenanntes Komma. Das Komma wird auf die verschiedenen Intervalle verteilt. Dies geschah bei der mitteltönigen Stimmung innerhalb eines Quintenzirkels. Nicolo Vicentino, Theoretiker der Epoche, experimentierte mit jenem Quintenzirkel und erhielt als Resultat ein verfeinertes Stimmsystem, das nicht weit entfernt ist von neuen Techniken auf der Grundlage sogenannter Mikrotonalität, wie sie die zeitgenössische Musik praktiziert.

Bei Ariadne die Oktave in  31 gleiche Teile geteilt. Dies ist nach Nicola Vicentino (Primo libro della prattica musicale, Rom 1555. Hierzu: Manfred Cordes: Nicola Vicentinos Enharmonik, herausgg. Hochschule für Künste Bremen, gedr. Graz 2007) aus der Mitteltönigkeit hergeleitet.  31 reine große Terzen schließen sich zum Zirkel. Ein Ganzton wird so in 5 mitteltönige Diesen als kleinstem Intervall geteilt (mitteltönige Diesis ist z.B. Dis – Es)

Aus diesem Tonvorrat schöpfend sind bei diesem Werk zur Komposition vertikal wie horizontal folgende Intervalle verwendet:

 

Einklang

Diesis  128:125

septimaler Ganzton 7:8 (= mittelt. Ganzton + Diesis)

septimale kleine Terz 6:7 (= kl. Terz – Diesis)

enge Quarte 16:21 (= Quarte – Diesis)

Quarte

Quinte

Qinte + Diesis (Umkehrintervall der engen Quarte)

reine Septime 7:4

Oktave

 

Der Mythos der Ariadne und seine Versionen
Ariadne, Tochter des Minos, dem König von Kreta, und Halbschwester des stierköpfigen Ungeheuers Minotauros, seinerseits der Sohn von Ariadnes Mutter und einem Stier.
Der Minotauros lebt auf Kreta in einem Labyrinth, in das er von König Minos eingeschlossen wurde.
Theseus, Sohn des Ägeus, König von Athen.
Die Athener müssen dem Minotaurus als Sühne für einen Mord jedes Jahr zehn Jünglinge und zehn Jungfrauen zum Opfer senden. Theseus macht sich mit seinem Schiff auf nach Kreta, um den Minotauros zu töten, und so Athen von dieser Pflicht zu befreien.
Als er zum Hofe des Königs Minos kommt, verliebt sich das Mädchen Ariadne in ihn. Sie hilft ihm, Minotaurus zu überwinden, indem sie ihm rät mit Hilfe eines Fadens den Rückweg aus dem Labyrinth zu finden. Der siegreiche Theseus verspricht ihr seine Liebe und Hand und den Königsthron von Athen. Er nimmt sie ohne das Einverständnis ihres Vaters mit auf seinem Schiff Richtung Athen. Auf dem Weg machen sie Rast auf der Insel Naxos. Ariadne fällt in einen tiefen Schlaf. Als sie erwacht, findet sie sich verlassen und ganz allein wieder. Theseus und seine Gefährten sind schon weitergesegelt; Er hat sie völlig vergessen.
Die Legende erzählt weiter, daß Bacchus mit seinem Gefolge gerade auf der Insel war. Er sah die unablässig Klagende, verliebte sich in sie und machte sie zu seiner Frau.

Catull (87-54 v. Chr.)
Sein Werk bildete und bildet einen Inspirationsquell für viele Nachfolger. Seine Gedichte – es gibt nur ein Buch – wurden im 14ten Jahrhundert in Verona, seiner Heimatstadt wiederentdeckt. Berühmte Persönlichkeiten, wie Petrarca, Shakespeare oder Carl Orff haben mit seinen Versen gearbeitet.
Sein Gesang 64, der unter anderem die Geschichte der Ariadne einschließt ist ein Kleinepos, ein so genanntes Epyllion. Diese Form wird metrisch durch das Versmaß des Hexameter charakterisiert.
Auf deutsch existieren sowohl metrische, als auch Prosa-Übertragungen.

Claudio Monteverdi
schrieb seine Oper „Arianna“ für eine Hochzeitsfeierlichkeit am Hof der Familie Gonzaga zu Mantua im Jahre 1608. Von der Oper ist nur das berühmte „Lamento d´Arianna“ erhalten geblieben. Inhalt des Lamentos ist die Szene, wo sich die Heldin erwachend, einsam und verlassen am Strand von Naxos wiederfindet. In einem Brief an A. Striggio vom Dezember 1616 erklärt Monteverdi, daß ihn die Figur der Arianna zu einem tiefempfundenen Lamento inspiriert hätte.

Die Musik gewinnt Gestalt aus dem Klang der Meereswellen.

Dies ist ein Effekt, der in anderer Form auch von Monteverdi in seinem „Lamento
d´Arianna“ benutzt wurde, indem das Kopfmotiv, das berühmte „Lasciatemi morire“ aus je einem auf- bzw. absteigendem Halbtonschritt, deren beide sich spiegelbildlich gegenüberstehen, gebildet ist. Dies Vergleichen wir mit dem „Kommen und Gehen“ der Wellen.
Auch Catull verweist ein seinem Gedicht auf die Wellen des Meeres, indem er sie durch ihre wechselnde Heftigkeit den expressiven Hintergrund für Ariadnes Gefühlswelt zeichnen läßt. Aus jenem Geräusch und aus der von Monteverdi übernommenen Motivik erwächst die Tonsprache unserer Ariadne.
Die Wellen sind eine Parabel des Lebens. Sie verbinden die verschiedenen Szenen, vom sich verlassen Wiederfinden der Ariadne bis zur Ankunft des Gottes Bacchus.

Das Ensemble

Ein Rezitator, eine Sopranistin-Schauspielerin, Chitarrone, Percussion und ein noch zu definierendes Instrument (das Ensemble kann bei Bedarf um Musiker und Sänger erweitert werden). Die Sänger- Schauspielerin verkörpert die Rollen der Ariadne (Sopran) und des Theseus.

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